im März 2025
das Timbre seiner Stimme ist äußerst angenehm, sympathisch und unverkennbar, vor allen Dingen dann, wenn sie aus dem Radio kommt, aber natürlich auch im Gespräch.
Seit einigen Jahren bin ich mit Peter Sauer freundschaftlich verbunden. Die Wege kreuzten sich immer wieder, er liest von mir und ich von ihm. Wir nehmen Kontakt miteinander auf und merken schnell, dass wir uns verstehen.
Mit Leidenschaft und Herzblut ist Peter als Lokalreporter im Münsterland unterwegs. Die Musik ist eine weitere große Passion, die Peters Leben von frühester Jugend an begleitet.
Mit besten Grüßen
Henning Stoffers
PS
Alle Abbildungen lassen sich durch Anklicken vergrößern.
Engelbert Peter Wilhelm Sauer wird in Arnsberg am 29. Juni 1965 geboren. Seine Namen erklären sich wie folgt: Engelbert und Wilhelm sind die Vornamen der Großväter, von denen die Mutter im Gegenzug für die Namensgebung eine kleine Geldgabe zur Geburt erhofft und auch erhält. Und da der Geburtstag auf den Namenstag von Peter und Paul fällt, kommt als weiterer Vorname Peter in die Geburtsurkunde, der auch der Rufname ist.
Vater Friedbert ist Metallwarenfabrikant und stellt hauptsächlich Luftpumpen her. Sie haben damals noch einen Holzgriff, und das zylindrische Rohr besteht aus Blech. Eine Spezialität sind hierbei die Nadelventile, die für das Aufpumpen von Bällen benötigt werden.
Für die kleinen Ventile besteht eine größere Nachfrage, so dass beschlossen wird, diese auch separat zu verkaufen. Diese Ersatzteile müssen in Tüten à 10 Stück abgepackt werden. Dabei hilft Peter mit und verdient sich auf diese Weise ein kleines Taschengeld.
Sogar die ,Sendung mit der Maus' interessiert sich für Vaters Fabrik. Wie funktioniert eine Luftpumpe? Das ist das Thema der TV-Sendung.
Aus Peters Erinnerungen:
|
Bereits in früher Kindheit entsteht Peters große Leidenschaft für die Musik. Von seinem Taschengeld kauft er sich Schallplatten, hört die Musiksendungen im Radio und möchte am liebsten dort sein, wo die Musik gesendet wird, also im Radiosender.
Seinem Vater erklärt er, dass er die Firma später einmal nicht übernehmen werde, seine Interessen lägen nicht bei der Herstellung von Luftpumpen.
Auch in Sachen Musik bestehen unterschiedliche Vorlieben. Während Vater Friedbert am liebsten Hans Albers ,Auf der Reeperbahn...' etc. hört, liebt Peter - wie auch seine Mutter - die aktuellen Schlager von Elvis Presley aus dem Radio, zu denen Mutter und Sohn auch tanzen.
Aus Peters Erinnerungen: RadioRadio machen und hören ist für mich ein ganz besonderer Zauber, seit ich als Kind zum ersten Mal die WDR-Schlagerrallye gehört habe, bei der ich später auch mitmachen konnte. |
Kreativ und geschäftsmäßig ist der kleine Peter auch, denn er schreibt Geschichten, die er tageweise an Mitschüler für eine Gebühr von 50 Pfennig ausleiht. Wenn die eintätige Ausleihzeit überschritten wird, fallen weitere 50 Pfennig an.
Sein Freund Ludger schreibt ebenfalls Texte, spricht sie auf Kassette und Peter nimmt dazu alles Mögliche an Stimmen, Geräuschen und Musik aus dem Fernsehen auf, um daraus Hörspiele zu machen. Die Kassetten werden ebenfalls gegen Eintrittsgeld in Peters Kinderzimmer vorgespielt. Später kommen selbstgedrehte Super-8 Filme hinzu, wie etwa Italo-Western oder ein Film in Erinnerung an den The Doors-Sänger Jim Morrison.
All dies sind erste Fingerzeige für seinen künftigen Beruf.
Aus Peters Erinnerungen: Blutige WesternMit meinem Freund drehte ich Super-8 Filme. Für einen Western besorgten wir uns von einem Metzger frisches Blut, denn in dem Film sollte es blutig zugehen, so wie beispielsweise im Stil von Sergio Leone. Wir erklärten dem Metzger auf seine Nachfrage hin, dass wir das Blut für eine biologische Untersuchung an unserem Gymnasium benötigen, was natürlich nicht stimmte.
Und so verfuhren wir: Unter das weiße Hemd wurde ein kleiner Blutbeutel aufgeklebt. Der Kopf einer Heftzwecke klebte an einem Finger, und wenn dann der von der Kugel Getroffene vor Schmerz an seine Brust griff, ergoss sich das Blut unter seinem weißen Hemd. Realistischer ging es nicht. - Eine holländische Familie, die beim Super-8 Dreh am Möhnesee eine ähnliche Szene sah, floh vor Entsetzen. Sie vermutete wohl, dass sie Zombies gesehen hätte. |
Peter geht in diesen Jahren auf das Arnsberger Gymnasium Laurentianum. Er engagiert sich in der Kirchenarbeit. Aber da sich seine Stimme wenig für den Chorgesang eignet, trägt er Fürbitten und Texte bei der Schola/Band der Kirchengemeinde Heilig Kreuz in Arnsberg vor. Das ist genau das Richtige für ihn.
Peter nimmt mit anderen Jugendlichen an kirchlich organisierten Bildungsreisen teil. Es geht nach Rom, Venedig, Norwegen und anderen interessanten Reisezielen. Dies ist etwas ganz anderes als das, was in seiner Familie geboten wird. Es sind für ihn nämlich weniger spannende Reisen nach Norderney, Borkum oder Mallorca.
Peter schreibt für die Teilnehmer Reiseberichte, die er auf Vaters Kopierer vervielfältigt und für 1,50 Mark verkauft. Warum sich dabei die Druckkartusche rätselhaft leert, bleibt für Vater Friedbert unerklärlich.
Bereits in seinen letzten Schuljahren ist Peter professionell journalistisch unterwegs. Er arbeitet als freier Mitarbeiter bei der Westfalenpost und bei der Westfälischen Rundschau. Beim WDR 2 ist er Nachwuchsmoderator bei der Schlagerrallye-Hörerjury.
Aus Peters Erinnerungen: Mädchen und FrauenIn Sachen Mädchen war ich ein Spätentwickler. Anfangs war es lediglich ein zartes Flirten und Schwärmen, und so hat es in meinen Pennälerzeiten keine richtige Beziehung gegeben. Ich erinnere mich gut daran, dass Mutter Hedwig meiner ersten Freundin erlaubte, bei uns zu übernachten, und zwar in meinem Zimmer! So sah ich mit 20 erstmals ein Mädchen oben ohne... Erst als ich an der Uni war, fand ich die erste große Liebe.
Später habe ich die Frau kennengelernt, bei der alles stimmte. Sie war für mich wie ,Hollywood'. Aber leider gab es kein Happy End. - Früher war ich auf der Suche, jetzt möchte ich mich finden lassen. Wer weiß, was das Schicksal noch so bringt... |
In seinen Gymnasium-Jahren gehört Peter nicht zu den besten Schülern und macht erst mit 21 Jahren das Abitur.
Seine Abiturnote ist nicht berauschend, um das Numerus clausus Fach Journalismus studieren zu können. Schweren Herzens entscheidet er sich 1986 für Germanistik, Geschichte und Philosophie an der Universität in Münster.
Peter wohnt in einem kleinen Zimmer einer Acht-Personen-Wohngemeinschaft in der Kreuzstraße, bekommt BAFÖG und kommt so recht und schlecht ,über die Runden'. Das BAFÖG muss übrigens nach dem Studium mit dem gerade verdienten Geld zurückgezahlt werden.
In den ersten zwei Studienjahren holt Peter all das nach, was er zuvor versäumt hatte zu lernen. Bis spät abends liest er in der Uni-Bibliothek und beschäftigt sich mit Goethe, Schiller und anderen Geistesgrößen, um seine Allgemeinbildung zu verbessern. Nebenbei arbeitet er im Hauptstudium als studentische Hilfskraft im Historischen Seminar bei Professor Thamer.
All dies trägt seine Früchte. Aus dem ehemals nur mäßig Lernenden wird ein sehr guter Student, dem das Lernen leichtfällt. Seine Begabungen haben sich entfaltet. Und als ihm im November 1992 die Gesamtnote mitgeteilt wird, kann es Peter gar nicht glauben. Er hat ein ,sehr gut' bekommen.
Das Studium ist beendet und mit Volldampf geht's ins Berufsleben. Es stellt sich aber gar nicht so einfach dar, bei einem Radiosender eine Anstellung zu bekommen. Es soll auch nicht irgendein Sender sein. Peters Ziel ist der WDR, ein Radio, das er von Kinderbeinen an kennt. Über Umwege kommt er an das Ziel seiner Wünsche.
Aus Peters Erinnerungen: BerufsanfängeAls ich das Studium beendet hatte, wollte ich beim WDR Münster anfangen. Trotz abgeschlossenen Studiums mit einer Bestnote hatte ich keine Chance. Es war einfach keine Stelle frei. So habe ich ein Volontariat zur Ausbildung als Hörfunkredakteur bei Radio NRW - dazu gehört u.a. auch Antenne Münster - gemacht. Ich bekam eine Festanstellung als Redakteur bei Welle Niederrhein in Krefeld.
Aber dann öffnete sich 1996 der Weg zum WDR. Es wurden junge Leute für die neue Jugendwelle 1Live gesucht. Ich wurde zum Casting eingeladen, bekam Kopfhörer aufgesetzt und musste ein Interview mit einer mir unbekannten Person führen. Das war schon ganz schön fordernd, ohne irgendwelche Informationen ein solches Gespräch zu führen. Es muss wohl eine prominente Person aus Münster gewesen sein. Das war mein hauptberuflicher Einstieg beim WDR. |
Jetzt hat Peter als freier Hörfunkjournalist beim WDR Fuß gefasst, und es geht voran. Bis ins Jahr 2006 ist Peter auf allen WDR- und auch ARD-Wellen zu hören, sei es zum Beispiel beim WDR1, 2, 3 oder 5, beim Bayerischen- oder Hessischen Rundfunk. Es sind Berichte, Interviews, Reportagen und auch Hörspiele. Daneben ist Peter gefragter freier Regionalkorrespondent fürs Münsterland.
Peter ist mit Leib und Seele Journalist beim Hörfunk. Er ist etabliert und glaubt, dass es so weitergehen wird. Es kommt aber anders als erwartet. Wie aus dem Nichts endet seine Karriere beim WDR. Missverständnisse, unglückliche Umstände und eine persönliche Fehleinschätzung führen zur Trennung vom WDR.
Peters Hörfunkkarriere hat 2006 ein unerwartetes Ende gefunden.
Claus Spitzer, Chefredakteuer von der Münsterschen Zeitung (MZ), holt Peter zunächst als freien Mitarbeiter an seine Zeitung. Für das Print-Medium muss das profimäßige Fotografieren gelernt werden, was sich Peter selbst beibringt. Er lernt einen Kollegen von den Westfälischen Nachrichten (WN) kennen, es ist Arndt Zinkant.
Als dann die MZ von der WN übernommen wird, sieht es anfangs so aus, als seien Arndt und Peter Konkurrenten. Dies ist aber nicht so, sie werden beste Freunde.
Seit 2012 arbeitet Peter als ,Freier Springer' und ist seitdem an vielen Orten des Münsterlandes tätig.
Hin und wieder ist Peter mit Gila Marali im OS-Radio auf 104.8 zu hören. Eine fröhliche Sendung mit Studiogästen und mit viel Musik.
Es gibt eine Vielzahl beruflicher Stationen. Eine Auswahl:
k+s (Kaufen und Sparen), Hallo, Wirtschaftsspiegel, Deutsches Handwerksblatt, Stadtgeflüster Münster, Pressearbeit Universität Münster, Adam-Riese-Show, (Showredakteur) Dozent Mediencoach (Sprache/Interview/Moderation/"Gesamtpaket") bei der VHS Münster und Dülmen/Haltern .
Buchautor ,BodenNullpunkt' Agenda-Verlag
Könntest Du Dir vorstellen, nicht als Journalist zu arbeiten?
Ja, ich könnte mir auch vorstellen, als Leuchtturmwärter, TV-Moderator, Museumsleiter oder Schallplattenverkäufer zu arbeiten.
Wogegen hegst Du größte Abneigung?
Gegenüber Kriegstreibern, Narzissten, Egomanen, Schubladendenkern und Spießern.
Ein großer Wunsch?
Gesund bleiben. Die Liebe meines Lebens kennenlernen. Und dass meine besten Freunde Jacqueline, Arndt, Molli, Silke, Henning, Egle, Petra, Dorette und Astrid sowie meine beiden Schwestern Simone und Steffie uralt werden, wie ich auch.
Welche Persönlichkeit möchtest Du einmal interviewen?
Iris Berben, Lars Eidinger, Steve Hogarth (Marillion), Robert de Niro, Kate Bush, Erdogan Atalay (Alarm für Cobra 11).
Welche Interviews sind Dir besonders in Erinnerung geblieben?
Mein größtes Interview an Bedeutung und Lampenfieber war Supermodel Nadja Auermann im Schloss Oberhausen. Dann das Treffen mit der Witwe von Steve Mc Queen, Barbara Mc Queen in Münster zum Interview über Steve - und plötzlich kam unerwartet Mario Adorf hinzu.
Du hast alles aus Deiner Kindheit und Jugend aufgehoben. Es sind interessante Zeitdokumente. Lässt Du andere darin stöbern?
Menschen, denen ich vertraue, lasse ich in meinen Sachen gerne stöbern. Leider ist durch den Starkregen 2014 in Münster vieles in dem Fluten gelandet. Ich musste mein Leben im Juli völlig aus dem Nichts wieder aufbauen. Mit 49.
Wieviel Zeit brauchst Du, um einen Artikel zu schreiben?
Da gibt es keine Faustregel: zwischen einer Stunde und fünf Stunden, je nach Größe und Herzempfinden.
Gibt es Situationen, in denen Du eine Schreibblockade hast?
Bei Lärm und Rauch und üblen Gerüchen um mich herum. Oder wenn mich vorher jemand geärgert hat.
Über welche Dinge würdest Du nie schreiben?
Das ist schnell gesagt: Fußball-Herren, Schützenfeste, Paparazzi-Themen und Firmen, die zum Rauchen verleiten oder die Zigarettenindustrie unterstützen.
Kannst Du Deinen Beruf in kurzen Sätzen beschreiben?
Brennen für die Sprache, brennen für Menschen, die Geschichte und Geschichten gemacht haben, brennen für die Musik, die Herz, Seele, Bauch, Kopf und Beine gleichermaßen berührt und für Künstler, die unser Leben bereichern.
Deine Lieblingsspeise?
Rotkohl mit Klößen, Hähnchen, Spinat, Heilbutt, Lachs, Herrencreme, Erdbeerquark, Sacher-Torte.
Was beutet die Musik für Dich?
Alles. Sie ist immer da. In allen Lebenslagen. Musik hat mir nie wehgetan, war mir immer treu, war und ist mir ein wichtiger Weggefährte, obwohl ich selbst kein Instrument spielen und nicht singen kann.
Was ist Deine Lieblingsmusik?
Da gibt es eine ganze Menge: Marillion, Depeche Mode, Talk Talk, Kate Bush, The Cure, Kraftwerk, Heinz Rudolf Kunze, Funk & Soul und noch viel mehr. Ich tanze auch gerne.
Was machst Du in Deiner Freizeit?
Ich sauniere und schwimme gerne, ich liebe das Meer, besuche gerne Lost Places, das Ruhrgebiet und gehe gerne wandern. Ich besuche auch gern Konzerte, Theateaufführungen oder Kunstausstellungen.
Es war gar nicht möglich, all die vielen Aktivitäten Peters an dieser Stelle aufzuführen. Ich habe versucht, zumindest die Essenz herauszuarbeiten. - Warum ich Peter in der Überschrift als Sprachzauberer bezeichnet habe, liegt an seiner einzigartigen, wohltönenden Stimme. Ich kann sie nicht beschreiben, man muss sie hören, um von ihr gefangen zu werden; sie verzaubert einfach.
Peter hat es in seinem Leben nicht immer einfach gehabt. Aber seine positive Grundstimmung und das große journalistische Engagement lässt viele Erschwernisse - zum Beispiel die Coronajahre oder der Starkregen von 2014 (Peter verlor sein Zuhause) - in den Hintergrund treten.
Quellen
Abbildungen soweit nicht anders angegeben: Peter Sauer
Text: Henning Stoffers